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Hermann van dem Haghen war ein vom dänischen König legitimierter Gewaltakteur, welcher um das Jahr 1421 tätig war. [1]

LebenBearbeiten

Namensvarianten: Hermann van dem Haghen[2] Hermen van deme Haghene [3]

Lebensdaten: Um 1420, nachgewiesen 1421[4]

Herkunft: Über van dem Haghens Herkunft ist nichts bekannt, allerdings lässt sich sein geografischer Tätigkeitsbereich eingrenzen. Er hat in Fehmarnsund einem Henneke Sadel ein Schiff weggenommen. Er verfasste am 18. November 1421 ein Rechtfertigungsschreiben über diese Wegnahme, dieses ist in Langeland entstanden.[5] Da dieses Schreiben am Ende des Jahres 1421 verfasst wurde, kann man davon ausgehen, dass die Wegnahme des Schiffes ebenfalls im Jahr 1421 (maximal noch im Jahr 1420) geschah, daher lässt sich sein Aufenthaltsort um das Jahr 1421 auf den Süden Dänemarks (Langeland) und den Norden des heutigen Schleswig-Holsteins (Fehmarnsund) einschänken.

Tätigkeitsgebiet: Van dem Haghen war zusammen mit Henneke Witte in der Wegnahme von Schiffen und des Verkaufs ebendiesen tätig.[6]

Verwandtschaft: unbekannt

TätigkeitenBearbeiten

Aktivitäten als Fehdehelfer: Van dem Haghen war 1421 im Krieg zwischen dem König von Dänemark und dem Herzog von Holstein aktiv. Dabei nahm er Henneke Sadel ein Schiff weg, auf welchem sich u.A. Ausrüstung anderer Schiffe, aufgeschlagene "Kaufmannskisten" und 15 Tonnen Salz befanden. Dieses Schiff verkaufte er an einen Klaus Trekel (orig. Schreibweise: "Claws Trekele").[7]

Status: unbekannt

Fahrgemeinschaften: Über van dem Haghens Fahrgemeinschaft ist nicht viel bekannt. In einem Rechtfertigungsschreiben über die rechtmäßige Wegnahme und den Verkauf des oben genannten Schiffes werden allerdings mehrere Eideshelfer genannt, die bezeugen konnten, dass die Wegnahme nicht illegal war. Darunter fallen (originale Namensschreibung):

Henneke Mortenson, Jesse Michelson, Magnus Tørkelson, Raben Kehelhud, Mattes Smyd, Nisse Jebson, Mattes Brûn, Thomas Magnesson, Jesse Olofson, Nisse Jonson und Hans Schriver.[8] Da diese Männer nicht nur den Verkauf, sondern auch die rechtmäßige Wegnahme des Schiffes bezeugen sollten, ist davon auszugehen, dass sie bei ebendieser anwesend gewesen sein mussten. Daher lässt sich darauf schließen, dass diese Männer eventuell Teil von van dem Haghens Fahrgemeinschaft waren.

Auftraggeber: Es ist nachgewiesen, dass van dem Haghen im oben genannten Krieg im Sinne des dänischen Königs handelte. Dies ist seiner Aussage aus dem Rechtfertigungsschreiben zu entnehmen. Er habe es "ghenomen an deme Vemersunde van des konineghes rechten apenbare vyenden", also von den rechten, offenbaren Feinden des Königs (von Dänemark) genommen.[9] Es ist nicht belegt, ob dieser daher auch der direkte Auftraggeber war, es ist aber davon auszugehen, dass durch den Krieg ein Wegnahmerecht von Gütern bei Gesetzesverstößen existierte. Daher kann man den dänischen König zumindest als Ermächtiger der Wegnahme sehen.

Sonstige Tätigkeiten: unbekannt

SonstigesBearbeiten

In den Hanserezessen (HR 7 & 8) ist mehrfach ein Hermann von Hagen erwähnt. Bei diesem handelt es sich um den Pronotar zu Lübeck. Dieser beantragte beispielsweise im Jahr 1420 beim Herrn zu Weinsberg, dass eine Achtung gegen die Städte Hamburg, Rostock, Wismar und Ditmarschen verschoben wurde.[10] Dieser Hermann von Hagen war allerdings auch Gewaltakteur, da desweiteren in den Hanserezessen von Herzog Heinrich von Schleswig beschrieben wird, dass seine Unterthanen insbesondere durch Hermann von Hagen geschädigt worden seien.[11] Dieser Sachverhalt könnte darauf schließen lassen, dass es sich hierbei um Hermann van dem Haghen handelt, wenn man bedenkt, dass letztere Schreibweise eine dänische sein könnte, während "Hermann von Hagen" die deutsche Schreibweise des Namens ist.

Dafür spräche die örtliche und zeitliche Nähe, die beide Personen zueinander haben. Lübeck liegt in dem geografischen Bereich, in dem Hermann van dem Haghen tätig war.

Dagegen spräche, dass sich die Stadt Lübeck aus dem Konflikt zwischen Holstein und Dänemark weitgehend zurückhielt, und sich erst im Jahr 1426 auf die Seite Holsteins stellte. Dieses Schiff wurde aber 1420 oder 1421 weggenommen worden, und Lübeck war zu diesem Zeitpunkt neutral im Krieg zwischen Dänemark und Holstein.[12]

Nichtsdestotrotz handelte es sich bei Hermann van dem Haghen um eine einzelne Person, somit hatte die Haltung Lübecks zu Dänemark wahrscheinlich keinen großen Einfluss auf dessen Taten. Denn obwohl er Pronotar zu Lübeck war (oder vielleicht gerade wegen seiner höheren Position), war er ein Gewaltakteur. Daher lässt sich darüber, ob es sich bei den beiden Personen um dieselbe handelt, keine Aussage treffen.

Der Pronotar Hermann von Haghen wird auch in weiterführender Literatur erwähnt. Im zweiten Band der hansischen Geschichtsquellen wird er kurz erwähnt. Aus der Erwähnung lässt sich entnehmen, dass er um das Jahr 1450 immer noch einer der beiden Pronotare von Lübeck war. Zudem trägt er dort den Titel "Mag.", was für Magister steht. [13]


In folgenden Urkundensammlungen wurden keine Hinweise zu Hermann van dem Haghen gefunden:

Hamburger Regesten:

Nolden, N.; Marquard, J., Sarnowsky, J. (Hgg.): "Hamburgs Gedächtnis - die Threse des Hamburger Rates. Die Regesten der Urkunden im Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg Bd. I: 1350–1399.", Hamburg, 2014.

Mecklenburgisches Urkundenbuch:

Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde (Hrsg.): "Mecklenburgisches Urkundenbuch. Bd. XXVI. 1400-Drittes Siegelheft.", Druck und Vertrieb der bärensprung'schen Hofbuchdruckerei, Schwerin, 1913.

Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde (Hrsg.): "Mecklenburgisches Urkundenbuch. Bd. XXV. Teil A. Nachträge I. Reihe: 1166-1400.", Druck und Vertrieb der bärensprung'schen Hofbuchdruckerei, Schwerin, 1936.

Cordshagen, H.; Cordshagen, C. (Hgg.): "Mecklenburgisches Urkundenbuch. Bd. XXV. Teil B. Nachträge II. Reihe: 1235-1400.", Zentralantiquariat der DDR, Leipzig, 1977.

Diplomaticum Danicum:

Andersen, A. (Hrsg.): "Diplomaticum Danicum. 4. Reihe, 6. Band, 1396-1398.", C.A. Reitzels Forlag, Koppenhagen, 1998.

Andersen, A. (Hrsg.): "Diplomaticum Danicum. 4. Reihe, 7. Band, 1399-1400.", C.A. Reitzels Forlag, Koppenhagen, 2000.

Ostfriesisches Urkundenbuch:

Friedländer, Dr. E. (Hrsg.): "Ostfriesisches Urkundenbuch. Erster Band 787-1470.", Dr. Martin Sändig oHG., Wiesbaden, 1968 (unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1878).

Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch:

Georg von Bunge, F. (Hrsg.): "Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch nebst Regesten. Abteilung 1 Band 4. 1394-1413.", Scientia Verlag Aalen, Darmstadt, 1971 (Neudruck der Ausgabe von 1859).

Verfestigungsbuch der Stadt Stralsund:

Francke, O.: "Das Verfestigungsbuch der Stadt Stralsund.", Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle, 1875.

Weitere Literatur:

Sprandel, R.: "Quellen zur Hanse-Geschichte. Mit Beiträgen von J. Bohmbach u. J. Goetze.", Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1982.

Oestermann, P.: "Prozesse aus Hansestädten vor dem Königs- und Hofgericht vor 1400.", in: Thür, G., Oestermann, P., Thier, A. et al. (Hgg.): "Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. 128. Band. Germanistische Abteilung.", Böhlau Verlag, Budapest, 2011, S.114-168.

Zudem befindet sich im Hansischen Urkundenbuch, aus dem die Leitquelle dieses Artikels stammt, in sonst keinem Band ein Hinweis auf Hermann van dem Haghen.

QuellenBearbeiten

Bruns, F.: "Die Lübecker Bergenfahrer und ihre Chronistik.", Druck und Verlag von Pass. & Garleb., Berlin, 1900.

Daenell, E.: "Die Blütezeit der deutschen Hanse. Hansische Geschichte von der zweiten Hälfte des XIV. bis zumn letzten Viertel des XV. Jahrhunderts. Band 1.", Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin, 2001³.

Koppman, K. (Hrsg.): "Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256-1430. Bd. 7 (1419-1425).", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1897, S.52.

Kunze, Karl (Hrsg.): "Hansisches Urkundenbuch. Band 6: 1415 - 1433.", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1905.


LiteraturBearbeiten


EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kunze, K. (Hrsg.): "Hansisches Urkundenbuch. Band 6: 1415 - 1433.", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1905, S.226.
  2. Kunze, K. (Hrsg.): "Hansisches Urkundenbuch. Band 6: 1415 - 1433.", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1905, S.226. (Anmerkungen des Autors)
  3. Kunze, K. (Hrsg.): "Hansisches Urkundenbuch. Band 6: 1415 - 1433.", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1905, S.226. (Originaltext eines Briefes)
  4. Kunze, K. (Hrsg.): "Hansisches Urkundenbuch. Band 6: 1415 - 1433.", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1905, S.226.
  5. Kunze, K. (Hrsg.): "Hansisches Urkundenbuch. Band 6: 1415 - 1433.", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1905, S.226.
  6. Kunze, K. (Hrsg.): "Hansisches Urkundenbuch. Band 6: 1415 - 1433.", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1905, S.226.
  7. Kunze, K. (Hrsg.): "Hansisches Urkundenbuch. Band 6: 1415 - 1433.", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1905, S.226.
  8. Kunze, K. (Hrsg.): "Hansisches Urkundenbuch. Band 6: 1415 - 1433.", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1905, S.226.
  9. Kunze, K. (Hrsg.): "Hansisches Urkundenbuch. Band 6: 1415 - 1433.", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1905, S.226.
  10. Koppman, K. (Hrsg.): "Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256-1430. Bd. 7 (1419-1425).", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1897, S.84.
  11. Koppman, K. (Hrsg.): "Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256-1430. Bd. 7 (1419-1425).", Verlag von Ducker und Humbold, Leipzig, 1897, S.52.
  12. Daenell, E.: "Die Blütezeit der deutschen Hanse. Hansische Geschichte von der zweiten Hälfte des XIV. bis zumn letzten Viertel des XV. Jahrhunderts. Band 1.", Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin, 2001³, S. 212-213.
  13. Bruns, F.: "Die Lübecker Bergenfahrer und ihre Chronistik.", Druck und Verlag von Pass. & Garleb., Berlin, 1900, S. 319.