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Ghunnar war ein Gruppenmitglied der Vitalienbrüder (lat. fratres vitalienses, fratres victualium), der im 14. Jahrhundert als Seesöldner/Gewaltakteur im Nord- und Ostseeraum aktiv war.

Leben

Namensvarianten: Gunnar, Ghunner, Gunther, Gunter, Günther, Guntheri[1], Günter, Herr Ghunter

Der Name Ghunnar wird ohne Nachnamen in dem Bericht der Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an die Kurie 1392 erwähnt. Lediglich die Beiordnung "dictus" (dt. gesagt, genannt)[2] ist zu finden, welche den Gewaltakteur als "genannt Ghunnar" betitelt.[3]

Demnach ist es nicht möglich die Person Ghunnar einzugrenzen. Es gibt mehrere Namensähnlichkeiten, die unter Sonstiges aufgeführt sind.

Die aufgeführten Personen tragen den Namen Ghunner/Günther als Vor- oder Nachnamen (in verschiendene Namensvarianten). Die Personenrecherche des Artikel "Ghunnar" wird im Artikel "Herr Günther" erweitert. Die Personen sind Beispiele und nicht ausreichend belegebar.

Siehe auch den Artikel "Herr Günther".

Lebensdaten: Er wird in den Berichten des Ordensprokurators vom 12. Oktober 1392 genannt.[4] Weitere Lebensdaten sind nicht zu finden.

Herkunft: unbekannt

Tätigkeitsgebiet: Gewaltakteur im weitläufigen Nord- und Ostseeraum

Verwandtschaft: unbekannt

Tätigkeiten

Aktivitäten als Fehdehelfer: Ghunnar wird im Bericht des Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an die Kurie in Rom 1392 mit anderen Personen als "capitanei" der "fratres victualium" bezeichnet.[5]

Status: Mitglied der Vitalienbrüder (keine Angabe zur Dauer der Mitgliedschaft)

Fahrgemeinschaften: vermutlich Henninghus Mandůuel, dictus Berkelinch, dictus Kraseke, dictus Kůle, dictus Preyn, Olaůus Schůtte, Arnoldus Stůke, Nycolaus Gylge, Heyno Schůtte im Jahr 1392.[6]

Auftraggeber: unbekannt

Angaben zu Schiff und Besatzung: capitaneus/Hauptmann eines nicht weiter genannten Schiffes mit nicht näher erläuterten Besatzung

Sonstige Tätigkeiten: unbekannt

Sonstiges

Namensähnlichkeiten zu Ghunnar bestehen in folgenden Urkundenbüchern:

siehe auch den Artikel "Herr Günther"

es handelt sich vermutlich um verschiedene Personen, die im gleichen Zeitraum lebten:

  • HR I,1 Nr. 336: Ghunner Jacobesson/Jacopesson, Ritter; namentlich erwähnt am 21. Juni 1364.
  • HR I,2 Nr. 276 § 4, Nr. 293 § 1 (Recess zu Stralsund, Recess zu Falsterbo): Herr Gunther; namentlich erwähnt am 24. April 1384 und am 9. Oktober 1984; Recesse berichten, dass man dänischerseits ebenfalls gegen Seeräuber vorgehen will; Herr Gunther wird als Beamter der Königin Margarethe von Dänemark angeführt, welcher eine Frevelei in Schonen beging.
  • HR I,4 Nr. 154 § 4 (Antwort der preuß. Städte auf die Werbung der Königin Margaretha): Günter, Herr Ghunter; namentlich erwähnt 1393; Herr Ghunter wird mit anderen Gewaltakteuren beschuldigt, im Auftrag der Königin von Dänemark, 1386 ein Schiff im Sund vor Helsingborg des Schiffers Volqwin Vorsthuse genommen zu haben.
  • HR I,4 Nr. 185 § 8 (Instruktion der Rathsendeboten der preuß. Städte für Verhandlungen mit deb Hansestädten und betreffenden Falles mit Abgesandten der Königin Margaretha über Herausgabe oder Ersatz des in Dänemark geborgenen schiffbrüchigen Gutes): Günter, Herr Ghunter, Gunther; namentlich erwähnt auf der Versammlung zu Thorn am 18. Januar 1394; Herr Gunther wird mit anderen Gewaltakteuren beschuldigt, im Auftrag der Königin von Dänemark, 1380 eine Kogge im Nordsund vor Helsingor des Schiffers Folkwin Furschutze genommen zu haben.
  • HUB VI Nr. 422: Gunnar, Wiborg; namentlich erwähnt am 24. März 1422; Gunnar wird als Überbringer einer Nachricht des Hauptmann von Wiborg Kersten Niklesson erwähnt. Niklesson stellt ein Gesuch an Reval, seinen in Reval ansässigen Schuldner Purin, der aus Schweden flüchtete, zu arrestieren.
  • HUB VII + HUB IX Nr. 323 § 4 (Aufzeichnung über Schädigungen und Beraubungen von Danzigern durch Polen 1437): Gunther, Hans, Danzig; namentlich erwähnt 1437; Hans Gunther wird als Einwohner der Stadt Danzig angeführt, dem vom Sohn des Peter von der Wydouwen 25 polnische Groschen und 5 ungarische Gulden auf einem Schiff genommen worden sind.
  • HUB VIII S. 605 A. 3: Gunter, Ghunter, Dedrik, hansischer Kaufmann in London.
  • PrUB IV Nr. 546: Günther (Guntherus, Gunter), Bruder des Menzel in Narzym-Wildenau (1374).
  • PrUB V Nr. 438: Günther (Gunter, -ther, therus, -tter, Juntherus), Besitzer in Waschulken (1395).
  • LUB IV Nr. 677 (Erich, König von Norwegen, Dänemark und Schweden, Herzog von Pommern, bestätigt den Hansestädten die ihnen insgesamt oder einzelnen von ihnen von früheren Königen von Norwegen erteilten Privilegien): Gunder Kane, Knappe; namentlich erwähnt am 29. August 1398.

Hinweis:

  • Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich in HR I,4 Nr. 154 § 4 und HR I,4 Nr. 185 § 8 um die gleiche Tat handelt.
  • Die Person Hans Gunther in HUB X Nr. 490 und HUB XI Nr. 324 scheint identisch zu sein.

Die nachfolgenden Personen sind vermutlich auszuschließen, aufgrund ihres namentlichen Vermerks im abweichenden Zeitraum bzw. ihres vermerkten Berufes:

  • HUB II Nr. 136: Günther, Gunter, Gunther, Gunnar von Schwarzburg, Landkomtur des Deutschen Ordens zu Kulm; namentlich erwähnt im Jahr 1308.
  • HUB II Nr. 317 + 710-717: Günther, Gunter, Gunther, Gunnar Graf von Kefernburg und Schwarzburg; namentlich erwähnt im Jahr 1318 und 1342.
  • HUB II Nr. 281 (Klage westfälischer Kaufleute über die Arrestierung von Gütern): Günther, Gunter, Gunther, Gunnar, westfälischer Kaufmann in Norwegen; namentlich erwähnt im Jahr 1316; Gunnar wird als Kläger angeführt.
  • HUB II Nr. 723 (Beschwerdeschrift Wismars über die seinen Bürgern von Graf Heinrich II. und Nikolaus von Holstein zugefügten Unbilden): Guntheri, Hincekino, Bürger zu Wismar; namentlich erwähnt am 30. November 1342; Guntheri wird als Geschädigter angeführt.
  • HUB III Nr. 353: Gunther Hinricus, Rathmann in Wismar, Vogt zu Schonen; namentlich erwähnt am 20. Januar 1356; Gunther wird als Ratmann der Stadt Wismar angeführt, der die Klageschrift Wismars wider Kampen wegen Todschlags und Raubes auf Schonen vertritt.
  • LUB III Nr. 253: Günther, Heinrich, Rathmann in Wismar (1356).
  • LUB III Nr. 100 S. 93: Guntheri, Hinceke, Bürger in Wismar (1342).
  • MUB XIII + XIV Nr. 7472 o.V., 7613, 7661 §14, Vogt zu Schonen (1352 nach 7661 §11), 7737 mit n. Ziegelherr, 7767, 7948, 8066, 8097, XIV 8208, 8231, 8232 (S.56), 8138 n., 7657 n., 8316, Ziegelherr 8342, 8483, 8583, 8620: Günther, Ghunter, Heinrich, Ratsmann zu Wismar; namentlich erwähnt 1356.
  • HUB VIII Nr. 715 (Stralsund schreibt Beschwerdeschriften an Danzig, da die Stralsunder durch die Danziger Auslieger Schädigungen erfahren haben; Danzig gab das Versprechen, das genommene Gut, welches aus Riga verschifft wurde, zurückzugeben): Gunter, Ghunter, Engelbrecht in Riga; namentlich erwähnt im Juli 1458; Engelbrecht Gunter wird als Kaufmann in Riga angeführt, der Waren durch den Schiffer hans Meyere verschiffen ließ. Diese Waren wurden weggenommen.
  • HUB VIII Nr. 215 § § 12,13,24,45,62 (Verzeichnis des den Lübeckern von den Engländern zugefügten Schadens, zumeist aus den jahren 1449-1452; 1452): Gunter, Ghunter; Tideman, Schiffer; namentlich erwähnt 1452; Tideman Gunter wird als Schiffer erwähnt, der Waren unterschiedlicher Kaufleute verschiffte und deren Schiffe angegriffen wurden.
  • HUB X Nr. 490 (Königsberg-Kneiphof an Hamburg, Auflistung von Schädigungen des Schiffers Cleis Pipper, welcher mit seinem Schiff und Volk in Königsberg nach Riga gefrachtet und auf der Fahrt bei Runne von dem Schiffer Hermann Wessel von Hamburg überfallen wurde): Gunter, Hans, Einwohner von Königsberg-Kneiphof; namentlich erwähnt im Juni 1476; Hans Gunter wird als Geschädigter angeführt, welcher Gut verfrachten ließ.
  • HUB X Nr. 629 (Kopenhagen erwidert Lübecks Schreiben über die Beschwerde der Lübecker Bürger Cord Ebbelingk und Paul Gunter, wonach ihnen 13 gesandte Fässer Einbecker Bier von Kopenhagener Gewaltakteuren abgenommen worden): Gunter, Paul, Bürger von Lübeck; namentlich erwähnt im januar 1478; Paul Gunter wird als Geschädigter angeführt, dem Gut genommen wurde.
  • HUB XI Nr. 324 (Königsberg-Kneiphof an Danzig, Kneiphöfer Bürger berichten, dass ihnen von Herrn Reinolt Hodde in Riga durch Schiffer Crausze Güter verschifft wurden, die im Hafen von Gotland von Rigas Feinden genommen worden sind): Gunther, Hans, Kneiphöfer; namentlich erwähnt 1489; Hans Gunther wird als Geschädigter angeführt, dem Gut genommen wurde.

Hinweis:

  • Die Person Heinrich Ghunter/Günther in HUB III Nr. 353, LUB III Nr. 253 und MUB XIII + XIV Nr. 7472 o.V., 7613, 7661 §14, Vogt zu Schonen (1352 nach 7661 §11), 7737 mit n. Ziegelherr, 7767, 7948, 8066, 8097, XIV 8208, 8231, 8232 (S.56), 8138 n., 7657 n., 8316, Ziegelherr 8342, 8483, 8583, 8620 scheint identisch zu sein.
  • Die Person Hinceke Guntheri in HUB II Nr. 723 und LUB III Nr. 100 S. 93 scheint identisch zu sein.

Ohne Ergebnis blieb die Recherche in:

  • HR I, 3, 5-8.
  • HR II, 1-7.
  • HR III, 1-7.
  • HUB Bd. 1, 4 und 5.
  • LUB Bd. 1, 2, 5-11.
  • PrUB Bd. 1-3, 6.
  • MUB Bd. 1-10, 14-25 (lediglich verschiedene Personen zu Günther, -ter: Gunther, -ter, Ghunter, Guntere, -there, Gutter, Gynter, Guntzel sind zu finden, die zur Person Ghunnar ausschließbar sind; siehe Artikel "Herr Günther").
  • Pommersches UB Bd. 1-8.
  • DD III, 1-IV, 7.

Quellen

Die Berichte der Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an die Kurie, Nr. 221.

Literatur

Kurt Forstreuter, Hans Koeppen, Bernhard Jähnig (Hrsg.): Die Berichte der Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an der Kurie. 5 Bände, Köln u.a. 1964.

Forstreuter, Kurt (Hg.): Die Berichte der Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an der Kurie. 1. Die Geschichte der Generalprokuratoren von den Anfängen bis 1403, Köln (u.a.) 1964, S. 333-337, Nr. 221.


Einzelnachweise

  1. HUB II, Registereintrag, S. 374.
  2. lat. dicere: sagen,sprechen (als PPP aufzufassen); dictus: gesagt (o-Deklination, Nominativ singular).
  3. Die Berichte der Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an die Kurie, Nr. 221.
  4. Die Berichte der Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an die Kurie, Nr. 221.
  5. Die Berichte der Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an die Kurie, Nr. 221.
  6. Die Berichte der Generalprokuratoren des Deutschen Ordens an die Kurie, Nr. 221.