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Bertram Stokeled wird als einer der Hauptmänner/ Hauptleute der Vitalienbrüder genannt.

Er muss nach vorhandener Quellenlage zur Zeit des Kampfes zwischen der Königin Margarethe von Dänemark und dem mecklenburgischen Königshaus unter König Albrecht um die schwedische Krone Ende der achtziger Jahre des 14. Jahrhunderts gelebt haben.

Leben

Namensvarianten: Bertram Stokelet (Stokvlet?), Bertram Stockelet, Bertram Stokeleyt Der Name dürfte dem heutigen Stokelitz entsprechen.

Lebensdaten: genaue Daten unbekannt (Ende des 14. Jahrhunderts)

Herkunft: vermutlich aus mecklenburgischer Ritterschaft stammend [1]

Tätigkeitsgebiet: weitgehend unbekannt, Ostseeraum (Rostock, Wismar, Stockholm) [2][3]

Verwandtschaft: Weitgehend unbekannt. Ein möglicher Verwandter könnte Johann Stokeled (Stokelet, Stokeleyt)[4] sein; dies ist jedoch nur eine Vermutung aufgrund des gleichen Nachnamens und der gleichen Namensvarianten. Ein Johann Stokelitz begab sich 1374 aus Mecklenburg nach Schweden in den Dienst König Albrechts.[5]

Tätigkeiten

Aktivitäten als Fehdehelfer:

Bertram Stokeled hatte auf Seiten der Mecklenburger an der Fahrt nach Stockholm teilgenommen, um die von den Dänen belagerte Stadt mit Nahrung und Soldaten zu versorgen.

Historischer Hintergrund:

Während des Krieges zwischen dänischen und mecklenburgischen Könighaus brachte Margarete ganz Schweden unter ihre Herrschaft, bis auf die Stadt Stockholm mit zahlreicher deutscher Bevölkerung. In Rostock wurde zwischen Oktober 1389 und Februar 1390 eine Kriegssteuer erhoben, die die Eröffnung der Häfen Rostock und Wismar zur Folge hatte. Damit wurden in der Ostsee operierende Seeräuber angelockt. Die Seeleute erhielten dagegen keinen Sold, sondern fuhren auf eigene Rechnung. So auch die Vitalienbrüder. Seit Mitte der 1370-er Jahre scheinen mecklenburgische Adlige mit Duldung des Mecklenburgischen Herzogshauses unorganisiert verfahrende Seeräubertruppen unter ihre Weisung genommen zu haben. Was dazu führte, dass in den 1390-er Jahren genügend Schiffe und Leute Mecklenburg Unter-stützung leisten konnten. Der Krieg aber zog sich von 1391 bis 1395 hin, ohne ein militärisch entscheidendes Ergebnis. In diesem Zusammenhang kann man die in der Quelle aufgeführten Hauptmänner der Vitalienbrüder als Kaperer der mecklenburgischen Landesherrschaft und Unternehmer in eigener Sache bezeichnen. Der Auftrag dabei war, möglichst viele Schiffe des Gegners aufzubringen. Finanziert wurde dies durch den Verkauf der Beute in den jeweiligen zugehörigen Häfen oder durch Lösegeldzahlungen für gefangene Kaufleute oder Adlige. Eine seit Anfang des 14. Jahr- hunderts andauernde schwere Agrarkrise legalisierte das Geschäft der Kaperei im Rahmen des dänisch-mecklenburgischen Krieges zudem. [6]

Am 24. Juni 1394 stifteten die Hauptleute der Vitalienbrüder (Herr Rambold Sanewitz, Herr Bosse von Kaland, Ritter, Arnd Stük, Claus Mylges, Marquard Preen, Hartwig Seedorf, Lippold Rumpshagen, Heinrich Lüchow, Bertram Stockeled und der Schiffsherr Joseph und Knappen) eine ewige Messe zu Stockholm.  Diese widmeten sie ihres König Albrechts, zu Ehren Gottes, des heiligen Kreuzes, des heiligen Blutes, und aller Heiligen in einer der Kirchen zu Stockholm, weil Gott sie vor ihren Feinden bewahrte und bestellten sogleich den Priester Johann Osterburg zur Messehaltung.

[„Die hierzu überlieferte Urkunde vom 24. Juni 1394 [7] genannten Hauptleute, waren es auch, welche im Winter 1393-94 das bekannte und noch jetzt viel erzählte Abenteuer auf der See bestanden. Als nämlich Stockholm von den Dänen strenge belagert ward und schon große Hungersnot in der Stadt herrschte, schickten die Städte Rostock und Wismar acht mit Lebensmitteln beladene Schiffe durch die Hauptleute der Vitalienbrüder nach Stockholm. An der Küste von Schweden trat aber plötzlich eine so heftige Kälte ein, dass die Schiffe einfroren. Da nun ein stürmender Angriff der Dänen zu befürchten war, so gingen die Vitalier zur Nachtzeit ans Land, fällten hier Bäume, baueten damit um die Schiffe einen großen Wall, den sie mit Wasser begossen, und sägten und brachen das Eis umher ein. Als nun die Dänen zum Sturme heranrückten, brach unter ihnen das Eis ein und alle sanken in die Tiefe. Die kühnen Seeleute und Krieger blieben aber verschont, bis sie bei eintretendem Thauwetter in den Hafen von Stockholm einlaufen konnten. Der Plan und die Anführung wird einem wismarschen Hauptmann Hugo zugeschrieben, der jedoch in der Urkunde nicht genannt wird.] [8]

Der Friedensschluss von Skanör und Falsterbo am 25. Juli 1395 zwischen Dänemark und Mecklenburg entzog den Vitalienbrüdern nicht nur die strategischen Stützpunkte Stockholm, Rostock und Wismar, sondern sorgte auch dafür, dass die gesamte Führung der Vitalienbrüder, die adligen Hauptleute aus Mecklenburg und Holstein sich von der Kaperfahrt zurückzogen. [9]

Status: Hauptmann der Vitalienbrüder; Knappe

Fahrgemeinschaften: Ranibold Sanewitze; Bosse van deme Kalende; riddere; Arnd Stüke; Clawus Mylges; Marquard Preen; Hartwich Sedorpe; Lyppold Rumpeshaghen; Hinrik Lüchowe, schypher Joseph

Auftraggeber: unbekannt

Angaben zu Schiff und Besatzung: unbekannt

Sonstige Tätigkeiten: unbekannt

Sonstiges

In folgenden Quellenbänden gibt es keine weiteren Hinweise:

  • Bunge, Georg von u.a.: Liv-, Esth- und Kurländisches Urkundenbuch. Bde. 1-24. Reval 1853-1914.
  • Christensen, Aksel Emanuel/ Nielsen, Herluf u.a.: Diplomatarium danicum, Danske Sprog- og Litteraturselskab (Hrsg.), Kobenhavn 1957 - 1990.
  • Höhlbaum, Konstantin / Kunze, Karl u.a. (Hg.): Hansisches Urkundenbuch. Bde. 1-11, Halle 1876-1916.
  • Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde (Hrsg.): Mecklenburgisches Urkundenbuch. Bde. I.- XXV., Schwerin 1863 - 1936.
  • Suhm, Petrus Fridericus/ Langebek, Jacobus: Scriptores rerum Danicarum medii aevi, partium hactenus inediti, partim emendatius editi, quos cellegit/adornavit et publici juris fecit Jacobus Langebek, Bd. 6., Nendeln/Lichtenstein 1969.
  • Svenska Riks Arkivets pergamentsbref, Bd. II. 1383-1400, Stockholm 1868.
  • Verein für hansische Geschichte (Hrsg.): Hanserecesse. Abt. 1, Die Recesse und andere Akten der Hansetage: 1256 – 1430. Leipzig 1870-97.

Quellen

MUB Bd. XXII (1907), Nr. 12669

Literatur

Cordsen, Hans-Christian: Beiträge zur Geschichte der Vitalienbrüder, Halle 1907.

Cordsen, Hans Christian: Beiträge zur Geschichte der Vitalienbrüder, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 73 (1908), S. 1-30.

Lisch, Georg Christian Friedrich: Beitrag zur Geschichte der Vitalienbrüder und Landstädte am Ende des 14.Jahrhunderts, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 15 (1850), S. 51-62.

Puhle, Matthias: Die Vitalienbrüder. Klaus Störtebeker und die Seeräuber der Hansezeit, Frankfurt am Main/New York 1994.

Puhle, Matthias: Piraterie im Mittelalter. Klaus Störtebeker und andere Seeräuber an Niedersachsens Küste, in: Landesgeschichte im Landtag, hrsg. v. Präsident des Niedersächsischen Landtages 2007.


Einzelnachweise

  1. Vgl. Lisch, S. 60
  2. Vgl. Lisch, S. 54-60
  3. Vgl. Cordsen 1908, S. 25
  4. Vgl. MUB Bd. XXII (1907), Nr. 12789, 12825
  5. Nordman 1938, S. 135.
  6. Vgl. Puhle, 2007
  7. Vgl. MUB Bd. XXII (1907), Nr. 12669
  8. Vgl. Lisch, S. 56-77
  9. Vgl. Puhle, 2007